Seit 2004, meinem 6. Lebensjahr, bin ich selbst aktiv in der rhythmischen Sportgymnastik. Im Alter von 8 Jahren nahm ich an meinem ersten Wettkampf teil. Zunächst waren das nur Wettkämpfe auf Vereinsebene, später auch auf Landes- und Bundesebene. Früh war klar, dass ich zu den Besten gehören wollte. Ich war schon immer sehr ehrgeizig und zielstrebig, was in dieser perfektionistischen Sportart wohl auch nötig ist, um es an die Spitze zu schaffen.

Vom Gruppen- zum Einzelwettkampf

Bis 2011 war ich nur in der Gruppe aktiv und Wettkämpfe spornten mich an. Ein gewisses Maß an Nervosität war immer da, aber damit konnte ich gut umgehen. Dies änderte sich aber, als ich begann als Einzelgymnastin an den Start zu gehen. Auch wenn die Trainings gut liefen, war der näher rückende Wettkampf stets ein Stressor für mich.

Wenn der Körper streikt

Besonders deutlich wurde das bei meinem ersten Wettkampf als Einzelgymnastin: Die Übelkeit beherrschte mich am Wettkampftag so sehr, dass ich dachte, nicht antreten zu können. Irgendwie schaffte ich es doch, kam sogar erfolgreich durch den Wettkampf und war am Ende erleichtert. Jedoch war dieses Erlebnis der Start meiner Wettkampfangst.

Seitdem konnte ich keinen Wettkampf mehr genießen. Teils lag ich den halben Tag in der Halle, mir war so übel, dass ich kaum laufen konnte. Jedes Mal fragte ich mich, warum ich mir das immer wieder antue! Trotzdem konnte ich mich stets zusammenreißen und auch meist erfolgreiche Wettkämpfe turnen.

Erleichterung statt Vorfreude

Aber irgendwann wurde mir klar: Das ist nicht, wie ich die Wettkämpfe erleben möchte! Ich trainierte das ganze Jahr über auf den Wettkampf hin - mein eigentliches Ziel! Und statt mich darauf zu freuen, spielte ich Wochen vorher in meinem Kopf Horror-Szenarien durch beim Gedanken daran, wie es mir am Wettkampftag gehen würde. Am Ende des Wettkampftages war ich eigentlich immer nur erleichtert, dass es vorbei war.

So konnte es nicht weitergehen. An diesem Punkt war ich im Jahr 2016 angelangt, als die Angst bei mir den Höhepunkt erreicht hatte. Sie lähmte mich förmlich und machte jeden Wettkampf zur Qual. Ich wusste nur noch nicht, was ich tun konnte, um es zu verändern.

Wie ich aus dieser Lähmung wieder herausgefunden habe und was mir geholfen hat, Wettkämpfe wieder zu genießen, beschreibe ich in Teil 2 meines Erfahrungsberichts.